Viele Gebäude in Wuthenow haben eine lange Geschichte. Neben allem, was Dörfer so zu bieten habe, ist Wuthenow seit dem 19. Jahrhundert auch Ausflugs- und Erholungsort. Die Historie einzelner Gebäude findet man heute an den Fassaden oder Zäunen auf Tafeln zum Nachlesen – oder hier:

Dieses mitteldeutsche Ernhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte zum Hof eines Großbauern. Das Wohnhaus diesen Bautyps war in jener Zeit weit verbreitet in Brandenburg. Es ist ein giebelständiger Fachwerkbau, bestehend aus einem Wirtschaftsgebäude und einem massiven Anbau aus dem späten 19. Jahrhundert.
Das zweigeschossige Wohnhaus mit Satteldach (Biberschwanzkronendeckung) wurde mehrfach umgebaut. So entstand ein Giebel mit einer Ziegelausfachung. Im Obergeschoss blieb die ursprüngliche Lehmstakenausfachung bewahrt. Das Haus hat einen typischen Feldsteinsockel. Die kleinen Rechteckfester des Obergeschosses gehören noch zur ursprünglichen Ausstattung. Durch den hofseitigen Eingang komm man in den kleinen Vorderflur, den Ern – Namensgeber des Haustyps.
Das Obergeschoss wird durch geschlämmte Fachwerkwände unterteilt. Die Räucherkammer ist noch vorhanden. Hinter dem Wohnhaus erstreckt sich ein massives Wirtschaftsgebäude (Sichtziegelbau).
Gegenüber steht der große Stall, der inzwischen diverse Veränderungen erfahren hat. Im Inneren tragen Eisenstützen ein preußisches Kappengewölbe. Zum denkmalgeschützt Gehöft gehört die straßenseitige Einfriedung.
Zum denkmalgeschützten Gehöft gehört die straßenseitige Einfriedung.
Das gesamte Gehöft ist ein anschauliches Zeugnis der Entwicklungs- und Ausbauphase Wuthenows und prägt das historische Erscheinungsbild des Dorfes. Das Ernhaus ist vermutlich das älteste Wohnhaus in Wuthenow. Seine für die Zeit beachtliche Größe lässt auf wohlhabende Bauern schließen.
In den 1940er und 1950er Jahren lebte Frieda Haak auf dem Hof (zu DDR-Zeiten von der LPG Wuthenow bewirtschaftet). Im Jahre 2002 erwarb Marion Oelke das Wohnhaus und ließ es 2024/2025 als Einzeldenkmal renovieren. Der Stall wurde von der Familie Becker gekauft und wird teilweise auch für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt.

Das heutige Dorfgemeinschaftshaus war in den 1920er Jahren ein Gasthaus, das zunächst von der Familie Lindeke und später von der Familie Krause betrieben wurde. Die Wirtschaft lief bin in die 1950er Jahre. Postkartenansichten zeigen die Außenansicht mit einem Saal, der später noch erweitert wurde. Auf der Straßenseite standen Tische, auch der Hof wurde für die Gastwirtschaft genutzt.
Als die ortsansässige LPG (Agrargenossenschaft) volkswirtschaftlich wurde, nutzte man das Gebäude als Verwaltungssitz und die Küche wurde Kantine und versorgte die Mitarbeitenden mit einer warmen Mahlzeit täglich.
Mit der politischen Wende wurde das Haus von einem landwirtschaftlichen Betrieb weiterbetrieben. Im heutigen Saal gab es zu Beginn der 1990er Jahre mal einen Supermarkt.
Das Haus konnte später mit Fördermitteln erworben und renoviert werden und ist heute Dorfgemeinschaftshaus mit Räumen und einem Saal, in dem die örtlichen und auch private Feste gefeiert werde. Die Kantine ist noch immer in Betrieb und versorgt Seniorinnen und Senioren, die Werktätigen und alle anderen Hungrigen täglich mit einer warmen Mahlzeit.
(Quelle: Ortschronik „Wuthenow – eine kleine Reise durch 700 Jahre“, 2019)

Der Fähranleger Wuthenow wurde nach 1850 errichtet. Die Boote fuhren auf dem Ruppiner See zwischen Neuruppin, Wuthenow und dem Bollwerk Nietwerder (heutige Badestelle Wuthenow). Aufzeichnungen belegen, dass 1902 eine gewöhnliche Überfahrt fünf Pfennige pro Person gekostet hat, Kinder unter fünf Jahren fuhren frei, die „allerhöchsten und höchsten Herrschaften wie deren Gefolge“ auch. Die Wuthenower zahlten dem Fährmann „eine jährliche Abfindung in Getreide oder Geld“.
1897/1898 wurde der Bahndamm gebaut, ab 1926 auch eine Straße. So lief der Bahn- und Fahrzeugverkehr direkt über den Ruppiner See und die längere Fahrt über Alt Ruppin war nicht mehr nötig. Der Fährverkehr verlor an Bedeutung, blieb jedoch für Fußgänger und später für Ausflugstouristen interessant. Auch für den Schulweg nach Neuruppin wurde die Fährverbindung genutzt und stellte für die Wuthenower bis in die 1970er Jahre die wichtigste Verbindung des Dorfes zur Stadt Neuruppin dar.
Im Jahr 1928 wurde ein kleines Fährboot in einer Berliner Werft gebaut. Das verkehrte hauptsächlich zwischen Wuthenow, Neuruppin und dem Café Waldfrieden in der Lindenallee. Später erhielt das kleine Wasserfahrzeug den Namen „Herz As“. 2017 konnte die „Herz As“ nach aufwendiger Renovierung in der Werft Kreideweiß in Alt Ruppin wieder in Betrieb genommen werden. Sie gehört heute den Stadtwerken Neuruppin und wird nur zu besonderen Anlässen von der Leine gelassen. Bemühungen der Gemeinde Wuthenow „ihre“ Herz As wieder in den regelmäßigen Betrieb zu bringen, waren bisher erfolglos.
Der Anleger wurde 2019 anlässlich der 700-Jahr-Feier des Dorfes aufwendig restauriert. Jedoch legt hier kein Dampfer mehr an.

Dieses Haus wurde 1905 als typische Vorstandsvilla des beginnenden 20. Jahrhunderts erbaut und veranschaulicht bürgerlichen Wohlstand und Repräsentationswillen.
Bei dieser Villa handelt es sich um einen stattlichen massiven Putzbau auf hohem Kellersockel mit Krüppelwalmdach und Eckturm. Die Fassade ist gegliedert durch Ritzenquaderung und ornamentierte Putzfelder sowie profilierte Fenstereinfassungen und Gesimse. Der Hauseingang ist überschrieben mit „Grüß Gott“. Auf der Gartenseite befindet sich eine schöne mittelständige Veranda, darüber ein Zwerchhaus mit Schweifgiebel. Im Garten waren in den 1970er Jahren noch Kiefern des ehemaligen Waldbestandes erhalten
Nach Bericht der Enkeln (Ruth Dreisörner) wurde die Villa 1935 von Karl Hochstädt (1875 – 1953) von der Post erworben. Zu den vorherigen Besitzern gehörte Kapitän Hermann Erhardt (1881 – 1972), der 1920 maßgeblich am Kapp-Putsch beteiligt war. Er heiratete 1927 Margarethe Viktoria Prinzessin zu Hohenlohe-Öhrigen (1894 – 1976), mit der er auch zeitweilig die Villa bewohnte. Karl Hochstädt war Direktor, Gründer und Miteigner der Ruppiner Eisenbahn AG. Er wohnte mit seiner Familie im Direktionsgebäude der Bahn in Neuruppin in der Heinrich-Heine-Straße. Die Villa in Wuthenow war als Alterssitz gedacht. Von 1933 bis 1976 wurde die Villa von der Familie Hans und Lisbeth Nürnberg bewohnt und bis zum Ende der 1940er Jahre als Pension „Villa Hubertus“ betrieben. Nach dem Krieg diente das Haus bis Anfang der 1990er Jahre als Wohnhaus für mehrere Wuthenower Familien (z.B. Behrendt und Schalk). Danach wurde das Grundstück an die Nachfahren der Familie Hochstädt rückübertragen und schließlich 1996 an die heutigen Beisitzer, die Familie D. Klockow, verkauft, die die Villa komplett rekonstruiert hat.

Dieses Wohnhaus eines Kossäten (Kleinbauern) wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und gehört zu den ältesten baulichen Überlieferungen im Dorf. Es ist ein anschauliches Beispiel ländlichen Bauens in der friderizianischen Zeit.
Der giebelständige Lehmfachwerkbau wurde ca. 1775 erbaut. Ursprünglich gab es im Hause eine seinerzeit typische Raumstruktur mit einer kleinen Altenteilwohnung. Die für den Typ des mitteldeutschen Ernhauses (Wohnstallhaus) charakteristische zentrale schwarze Küche ist noch vorhanden, wie auch die neben dem breiten Schlot gelegene Räucherkammer.
Etwa 1860 wurde der Hof von Andreas Buschow, Lehrer und Landwirt in Werder, gekauft. 1908 baute man einen großen Kuhstall rechts vom Haus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich im Kossätenhaus die Schulzenstube. Adolf Bünger war hier von 1903 bis 1928 Dorfschulze on Wuthenow. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg bewirtschafteten Lucie und Ursula Krüger den Hof. Ab 1956 wohnte die Familie Witt hier und bewirtschaftete den Hof bis Ende der 1980er Jahre. 1998 kam es zu einem Zwangsversteigerungsverfahren – der Tischler Peter Lenz erwarb den Kuhstall und baute eine moderne Tischlerei auf. Dieter Nürnberg kaufte den ehemaligen Familienbesitz zurück und renovierte das Haus 2002 als Einzeldenkmal.
Das Kossätenhaus ist heute ein Wohnhaus.

Auf dem Kirchengelände und doch nicht mehr dazu gehörend steht hier ein vielfältig genutztes Gebäude.
Da es nach preußischem Landrecht von 1794 Schulpflicht für alle Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren gab, musste auch in Wuthenow eine Schule eingerichtet werden. Dafür sollten die Kirche, die Gutsherren und die Gemeinden die Kosten tragen. Es wird vermutet, dass in Wuthenow die Kirche den Grund und Boden für die Errichtung des Schulhauses bzw. des Vorgängerbaus gestiftet hat.
Das Klassenfoto aus dem Jahr 1906 zeigt das Schulgebäude noch mit Kreuzfenstern aus Holz, einer Fledermausgaube auf dem Dach und ein Nebengebäude mit Scheunentor. Noch in den 1930er Jahren waren hier Doppelfenster verbaut. In den Sommermonaten wurden die äußeren Fenster dann einfach ausgehängt.
Da Wuthenow wuchs und immer mehr Kinder in die Schule kamen, wurde in der Zeit von 1957 bis 1960 auch im gegenüberliegenden Bauernhaus in der Dorfstraße 17 ein Klassenzimmer eingerichtet. Mit den weiter steigenden Geburtenraten (1965: 20 Geburten in Wuthenow) wurden in der ganzen DDR Polytechnische Oberschulen gebaut und eröffnet. Die Wuthenower Dorfschule – liebevoll nur Zwergenschule genannt – musste darum 1972 geschlossen werden. Die Kinder gingen fortan in Gildenhall (bis zur 4. Klasse) oder nach Neuruppin zur Schule.
Das Schulhaus und das Nebengebäude wurden danach von der Gemeinde und als Wohnhaus genutzt – es gab auch eine Arztpraxis und einen Friseur.
1993 wurde Wuthenow eingemeindet und Ortsteil der Stadt Neuruppin. Das Haus wurde von der Neuruppiner Wohnungsgenossenschaft verwaltet, Wohnungen ausgebaut und vermietet. Das Nebengebäude – das mehrfach umgebaut und als Post, Bibliothek und Jugendclub genutzt wurde – ist nach langem Leerstand und unklarer Nutzungsidee 2023 abgerissen worden.